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    Lieferando vs. Wolt: Ein praxisnaher Vergleich

    10. Dezember 20248 min Lesezeit
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    Es gibt keinen pauschalen Sieger

    Lieferando und Wolt können für Restaurants zusätzliche Bestellungen erschließen. Ob eine Plattform zum eigenen Betrieb passt, hängt jedoch nicht von einem allgemeinen Markenvergleich ab. Entscheidend sind die tatsächliche Nachfrage im Liefergebiet, die aktuellen Vertragsbedingungen, die Abläufe im Restaurant und die Wirtschaftlichkeit jedes einzelnen Warenkorbs.

    Dieser Leitfaden verzichtet bewusst auf feste Gebühren, Reichweitenzahlen oder Funktionslisten. Solche Angaben können sich nach Stadt, Vertrag und Zeitpunkt unterscheiden. Nutze stattdessen die aktuellen schriftlichen Angebote der Plattformen und prüfe beide mit demselben Raster.


    1. Prüfe zuerst die lokale Nachfrage

    Eine Plattform kann bundesweit bekannt sein und in deinem konkreten Liefergebiet trotzdem wenig relevante Nachfrage haben. Öffne beide Apps aus Sicht eines Gastes an mehreren typischen Lieferadressen und zu unterschiedlichen Bestellzeiten.

    Dokumentiere dabei:

    • Welche ähnlichen Restaurants werden angezeigt?
    • Wie groß und wie passend ist das Angebot in deiner Kategorie?
    • Welche Liefergebiete und geschätzten Zeiten werden dargestellt?
    • Gibt es erkennbare Lücken, etwa für bestimmte Küchen oder Tageszeiten?
    • Wie sichtbar sind Restaurants ohne dauerhafte Rabattaktionen?

    Diese Beobachtung ersetzt keine internen Marktdaten der Plattform, liefert aber eine realistische erste Einschätzung. Frage die Ansprechpartner anschließend nach belastbaren Informationen für genau dein Gebiet und lass wichtige Zusagen schriftlich festhalten.

    2. Vergleiche Verträge statt Werbeversprechen

    Stelle die aktuellen Angebote zeilenweise gegenüber. Betrachte nicht nur eine einzelne Provision, sondern alle Kosten und Bedingungen, die den Betrieb betreffen können.

    Zu prüfen sind unter anderem:

    • einmalige Einrichtungs- oder Hardwarekosten
    • laufende Grundkosten und umsatzabhängige Entgelte
    • Zahlungsabwicklung und Auszahlungsrhythmus
    • Kosten und Regeln für plattformfinanzierte oder restaurantfinanzierte Aktionen
    • Laufzeit, Kündigungsfrist und mögliche Exklusivitätsklauseln
    • Bedingungen für eigene Fahrer oder Plattformlogistik
    • Zuständigkeit bei Stornierungen, Reklamationen und Erstattungen
    • Zugriff auf Bestell-, Leistungs- und Abrechnungsdaten

    Lass unklare Positionen erklären. Eine niedriger wirkende Gebühr ist kein Vorteil, wenn zusätzliche Kosten, ungünstige Prozesse oder geringe Nachfrage den Deckungsbeitrag aufzehren. Bei rechtlichen oder steuerlichen Fragen sollte der Vertrag fachkundig geprüft werden.

    3. Rechne mit dem Deckungsbeitrag pro Bestellung

    Umsatz allein zeigt nicht, ob sich ein Lieferkanal lohnt. Erstelle für typische Bestellungen eine einfache Kalkulation:

    Bestellwert minus Wareneinsatz minus Verpackung minus Plattformkosten minus Zahlungs- und Aktionskosten minus zusätzlicher Personal- und Logistikaufwand

    Das Ergebnis ist der Betrag, der zur Deckung der übrigen Betriebskosten beiträgt. Rechne mehrere Szenarien durch: kleines Einzelgericht, durchschnittlicher Warenkorb, Familienbestellung und Bestellung mit Rabatt. Berücksichtige außerdem Ausschuss, Nachproduktion und Erstattungen, sofern diese im Testzeitraum auftreten.

    Nutze ausschließlich deine realen Rezepturen, Einkaufspreise, Personalkosten und Vertragswerte. Pauschale Branchenwerte führen leicht zu einer falschen Entscheidung.

    4. Bewerte die operative Passung

    Mehr Bestellungen sind nur dann hilfreich, wenn Küche und Service sie zuverlässig bearbeiten können. Beobachte den gesamten Weg von der Bestellung bis zur Übergabe:

    1.Wie schnell und eindeutig kommt die Bestellung im Restaurant an?

    2.Muss das Team Daten zwischen Tablet, Kasse und Küche übertragen?

    3.Werden Varianten und Hinweise verständlich dargestellt?

    4.Wie wird mit ausverkauften Gerichten umgegangen?

    5.Wo warten Fahrer, ohne den Service im Restaurant zu stören?

    6.Wer klärt Rückfragen, Verspätungen und Reklamationen?

    Jeder manuelle Zwischenschritt erhöht die Fehlergefahr. Wenn mehrere Plattformen parallel eingesetzt werden, sollte klar sein, wie Bestellungen gebündelt, Verfügbarkeiten gepflegt und Kapazitäten begrenzt werden.

    5. Entwickle eine lieferfähige Speisekarte

    Die Restaurantkarte sollte nicht ungeprüft in eine Liefer-App kopiert werden. Manche Gerichte verlieren auf dem Transport an Qualität, benötigen besondere Verpackung oder lassen sich nur schwer eindeutig konfigurieren.

    Eine gute Lieferkarte konzentriert sich auf Gerichte, die:

    • Transport und Wartezeit zuverlässig überstehen
    • in der Küche standardisiert produziert werden können
    • verständliche Varianten und Zusatzoptionen haben
    • mit realistischen Produktbildern gezeigt werden können
    • inklusive Verpackung wirtschaftlich kalkuliert sind

    Beginne mit einem kontrollierbaren Sortiment. Ergänze erst dann weitere Gerichte, wenn Zubereitung, Verpackung und Übergabe stabil funktionieren. Einheitliche Namen und interne Artikelnummern helfen, Fehler zwischen Plattform, Kasse und Küche zu vermeiden.

    6. Beurteile Sichtbarkeit und Conversion getrennt

    Viele Impressionen bedeuten nicht automatisch viele profitable Bestellungen. Analysiere den Bestellweg in einzelnen Stufen, soweit die jeweilige Plattform Daten bereitstellt:

    • Wird das Restaurant in relevanten Situationen angezeigt?
    • Öffnen Nutzer das Profil?
    • Werden Gerichte in den Warenkorb gelegt?
    • Wo brechen Bestellungen ab?
    • Welche Gerichte, Zeiten und Gebiete führen zu wiederkehrenden Bestellungen?

    Schlechte Ergebnisse können unterschiedliche Ursachen haben: geringe lokale Nachfrage, unpassende Öffnungszeiten, schwache Bilder, unklare Beschreibungen, lange Lieferzeiten oder eine Karte, die nicht zum Suchanlass passt. Ändere möglichst nur einen größeren Faktor gleichzeitig, damit du Ergebnisse sinnvoll einordnen kannst.

    7. Denke an die eigene Kundenbeziehung

    Eine Plattform vermittelt Reichweite, ersetzt aber nicht die eigene digitale Präsenz. Gäste sollten unabhängig davon verlässliche Öffnungszeiten, Kontaktdaten, Speisekarte und Markeninformationen auf deiner Website und im Google-Unternehmensprofil finden.

    Prüfe im Vertrag und in den Datenschutzbedingungen, welche Kundendaten du erhältst und wofür du sie nutzen darfst. Baue keine Kommunikation auf Daten auf, für deren Nutzung keine klare Grundlage besteht. Eine eigene, freiwillig abonnierte Kundenkommunikation muss getrennt und sauber organisiert werden.

    8. Führe einen fairen Praxistest durch

    Wenn beide Plattformen grundsätzlich infrage kommen, definiere vor dem Start einen begrenzten, vergleichbaren Test. Halte Sortiment, Bilder, Beschreibungsqualität und Öffnungszeiten möglichst konstant. Dokumentiere für jede Plattform:

    • Zahl und Wert der Bestellungen
    • vollständige Plattform- und Aktionskosten
    • Deckungsbeitrag nach variablen Kosten
    • Stornierungen, Erstattungen und Fehlbestellungen
    • durchschnittlichen internen Bearbeitungsaufwand
    • häufige Rückfragen von Gästen, Fahrern und Team
    • Bewertungen oder qualitative Rückmeldungen zum Liefererlebnis

    Saison, Wetter, lokale Veranstaltungen und unterschiedliche Aktionszeiträume können Ergebnisse beeinflussen. Deshalb sollten einzelne starke oder schwache Tage nicht überbewertet werden.

    Eine oder mehrere Plattformen?

    Mehrere Plattformen können die Reichweite verbreitern, erhöhen aber den Pflege- und Koordinationsaufwand. Ein paralleler Betrieb ist nur sinnvoll, wenn Preise, Verfügbarkeiten, Öffnungszeiten und Bestellannahme zuverlässig synchron gehalten werden können.

    Ein fokussierter Start mit einer Plattform ist oft leichter zu lernen. Ein paralleler Test kann dagegen sinnvoll sein, wenn genügend Kapazität besteht und beide Kanäle sauber getrennt ausgewertet werden. Die richtige Entscheidung hängt von deinem Team und deinen Systemen ab, nicht von einer allgemeinen Regel.

    Entscheidungscheckliste

    Bevor du unterschreibst, sollten diese Fragen beantwortet sein:

    • Ist im tatsächlichen Liefergebiet relevante Nachfrage erkennbar?
    • Sind alle Kosten und Vertragsbedingungen schriftlich klar?
    • Bleibt bei realistischen Warenkörben ein tragfähiger Deckungsbeitrag?
    • Kann die Küche zusätzliche Bestellungen ohne Qualitätsverlust bearbeiten?
    • Ist die Lieferkarte kleiner, klarer und transportgeeignet aufgebaut?
    • Sind Zuständigkeiten für Datenpflege, Reklamationen und Abrechnung festgelegt?
    • Können Ergebnisse pro Plattform nachvollziehbar gemessen werden?
    • Bleibt die eigene Website als verlässliche Marken- und Informationsquelle gepflegt?

    Fazit: Die bessere Plattform ist die, die im eigenen Betrieb funktioniert

    Lieferando und Wolt sollten nicht nach Bekanntheit, Bauchgefühl oder einem einzelnen Gebührensatz ausgewählt werden. Vergleiche lokale Nachfrage, aktuelle Verträge, Prozessaufwand und Deckungsbeitrag mit denselben Kriterien. Ein kontrollierter Test mit sauberer Dokumentation zeigt wesentlich mehr als ein pauschaler Plattformvergleich und schafft eine belastbare Grundlage für die weitere Entscheidung.

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